Hochheiden im Naturpark Diemelsee

Blütenpracht
Im Spätsommer entfaltet sich in den Hochlagen des Uplandes ein farbenprächtiges Blütenmeer, wenn die Heide ihr purpurnes Gewand anlegt. Die Heideblüte zieht alljährlich Tausende von Besuchern an, die auf einer Wanderung die Schönheit der Landschaft erleben und einmalige Eindrücke sammeln wollen.

Vor ca. 10.000 Jahren dehnte sich im Upland eine baumlose Tundra aus. Mit der anschließenden Erwärmung eroberte der Wald die Flächen zurück. Nur in Mooren, an Felsen und in den lichten Krüppelwäldern der höchsten Erhebungen konnten einige der typischen Pflanzenarten der eiszeitlichen Tundra überleben.

Die Spezialisten unter den Pflanzen
Man findet hier Pflanzen, die besonders gut auf kargen Böden und unter extremen klimatischen Bedingungen mit viel Wind und Schnee gedeihen: Gehölze wie Kiefer und Vogelbeere, Ginster, Arnika, verschiedene Orchideenarten, Silberblatt, Rippen- und Bergfarn, Alpenbärlapp, Fieberklee, Siebenstern, verschiedene Flechten und Moose, Heidel- und Preiselbeeren und vor allem das die Landschaft prägende Heidekraut.
Durch das besondere Klima mit Wind und Schnee ist auf den kargen Böden in Höhenlagen über 700 m eine Heide mit eigener Prägung entstanden: die Hochheide.

Die hier angetroffenen Heideflächen erinnern stark an die bekannte Lüneburger Heide, unterscheiden sich in der Vegetationszusammensetzung aber deutlich. Die Besenheide wächst hier nicht auf Sand, sondern auf Grauwacke, Quarziten und Schiefer und gedeiht am besten in Höhenlagen über 650 m.

Erhalt der Heideflächen
Um sie zu erhalten ist es notwendig, die Heidestöcke durch Rückschnitt und Neuansamung regelmäßig zu verjüngen und die aufkeimenden Gräser, Sträucher und Bäume zu entfernen. Früher geschah das per Hand, indem alle 10 bis 15 Jahre die Pflanzendecke und Humusschicht in "Frasen" mit Hacken abgetragen wurde - auch "plaggen" genannt.  Diese nährstoffreiche Pflanzenschicht diente nach dem Trocknen als Einstreu für das Vieh.

Heute benutzt man für das Plaggen spezielle Maschinen und beweidet die Flächen mit Heidschnucken, welche die Pflanzenschößlinge fressen, das Heidekraut aber verschmähen.Würde die Pflege der Heideflächen unterbleiben, würden diese rasch zurück gedrängt und schließlich unwiderruflich verschwinden.

Vorkommen
Die Blütezeit des Heidekrautes und die Erntezeit für die dort wachsenden Heidel- und Preißelbeeren ist im Spätsommer. Nennenswerte Hochheidebestände finden Sie auf dem Osterkopf, dem Kahlen Pön und am Eideler Berg bei Usseln, auf dem Plateau und dem Nordhang des Ettelsbergs bei Willingen sowie am Neuen Hagen in Richtung Niedersfeld. Hinzu kommen kleinere Flächen am Oberen Berg bei Schweinsbühl, dem Schneeberg bei Usseln und am Willinger Orenberg.

Bitte tragen Sie zum Erhalt dieser seltenen Lebensräume bei, indem Sie die angelegten Wanderwege nicht verlassen!

Entstehung der Heideflächen

Auf den sauren Schieferböden der Hochlagen gedeiht natürlicherweise hauptsächlich der artenarme Buchenwald. Große Waldgebiete dehnten sich in den vergangenen Jahrhunderten im Upland aus. Dabei gab es kleinflächigen Einzelbesitz, den überwiegenden Teil des Waldes konnte jedoch jedermann nutzen und sich mit Brennholz versorgen. Die wirtschaftlichen Ansprüche an den Wald waren enorm. Viel Holz in Form von Holzkohle wurde benötigt, um die Hütten und Hämmer zu betreiben, in denen Eisenerz aus dem nahen Adorf verarbeitet wurde. Die Holzkohle wurde in Meilern in den Upländer Wäldern hergestellt. Durch die Köhlerei verschwanden große Waldflächen, denn zur Erzeugung einer Tonne Roheisen waren ca. 8 Tonnen Holzkohle erforderlich, die aus 30 Tonnen Holz gebrannt wurden. Das entspricht der in einem Jahr nachwachsenden Holzmenge eines fünf Hektar großen Buchenwaldes.

Der natürliche Waldbestand wurde auf diese Weise stark dezimiert, obwohl das Upland nur dünn besiedelt war. Schon früh versuchte man dem durch entsprechende Gesetze entgegenzuwirken, standortgerechte Waldwirtschaft oder walderhaltende Maßnahmen kannte man jedoch kaum.

Die Besenheide, die an lichten Stellen der Buchenwälder vorkommt, konnte sich allmählich über große Flächen ausbreiten. Diese Heideflächen dienten als Weide für Ziegen- und Schafherden. Da im Upland kaum genug Stroh zur Verfügung stand, machte man sich die Heide auch als Stalleinstreu zunutze. Zum Zweck der Streugewinnung war das sogenannte Plaggen üblich, bei dem die oberste Pflanzenschicht samt Bewuchs und Humus in „Frasen" abgehackt und nach der Trocknung in die Ställe gefahren wurde. Nach etwa zwei Jahren breiteten sich auf den geplaggten Flächen allmählich wieder Gräser, Flechten, Moose und Preiselbeeren aus, die verholzten Wurzelstöcke der Heide brachten neue Triebe hervor und bald setzte sich der ursprüngliche Heidebewuchs durch. Nach etwa fünfzehn Jahren wurde erneut geplaggt.
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