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Lebensbild
einer Erholungslandschaft von Horst König |
Es sind Grundbesitzer, Land- und Forstwirte wie Joseph Graf Droste
zu Vischering (Padberg) und Erich Küthe (Hemmighausen), die sich
mit anderen sozial Verantwortungsbewußt, Anfang der sechziger
Jahre zum Ziel setzen, den Diemelseeraum als Naturpark auszuweisen.
Sie wollen die abwechslungsreiche Mittelgebirgslandschaft im Herzen
Deutschlands mit dem 166 Hektar großen Stausee schützen,
ihre naturgegebenen Schönheiten erhalten, sie aber auch erholungs-
suchenden Menschen stärker öffnen. Heute würde man
diese Zielsetzungen mit natur- und umweltverträglichem Tourismus
umschreiben.
Die Naturparkidee, 1956 von Dr. h. c. Alfred Toepfer (Hamburg) dem
damaligen Bundespräsidenten Professor Dr. Theodor Heuss vorge-
tragen und der Öffentlichkeit verkündet, hat auch in dieser
Region ihre Anhänger gefunden. Doch erst 1965 kommt es mit Unter-
stützung der beiden Landkreise Brilon (Nordrhein-Westfalen) und
Waldeck (Hessen) zur Gründung einer Trägerorganisation.
Um keinen Staatsvertrag zwischen den Bundes- ländern schließen
zu müssen, wie er im Falle eines Zweckverbandes not wendig geworden
wäre, wählen die Gründungsväter der Einfachheit
halber die Rechtsform des eingetragenen Vereins.
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Gemeinsamkeit
ohne Grenzen |
Die
äußeren Grenzen des Naturparkgebietes orientieren
sich an einem schon 1959 erschienenen Raumforschungsgutachten
über die "Auswahl von Naturparken in der Bundesrepublik
Deutschland". Danach allerdings ist der Naturpark Diemelsee
nur als Bestandteil des ohnehin schon sehr großen Natur-
parks Rothaargebirge vorge- sehen, dessen Teil er nach der natur-
räumlichen Gliederung auch tatsächlich ist.
So aber bleibt er mit Flächen von 21.000 Hektar in Hessen
und 12.500 Hektar in Nordrhein-Westfalen ein überschaubares
Gebilde mit einer landschaftstypischen Eigenheit. Er ist der
erste deutsche Naturpark, dem ein Gewässer den Namen gibt.
Und die Landesgrenze, die den Diemelsee unsichtbar durchtrennt,
besteht allenfalls weiter in den historischen Grenzsteinen zwischen
dem einstigen Kurköln und dem Fürstentum Waldeck,
die man auf Wanderungen gelegentlich entdeckt. |
Historischer
Grenzstein
(Landesgrenze zwischen Kurköln und Waldeck)
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Der Wille zur Gemeinsamkeit lässt auch die Oberbehörden
Zugeständnisse machen. So erklärt sich der Regierungspräsident
in Arnsberg bereit, den Bau eines Strandgebäudes am Nordufer
auf der hessischen Seite des Diemelsees finanziell zu fördern
unter der Voraussetzung, dass die Willinger Müllkippe zwischen
Bundesstraße und Hoppecke am Wege nach Brilon sofort aufgegeben
und rekultiviert wird. Durch den Verein Naturpark Diemelsee wird dieses
"Kompensationsgeschäft" möglich, das allein den
Belangen eines wirksamen Umweltschutzes dient.
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Berge und
Schnee |
Die steil aufsteigenden Höhen sind es und die winterlichen Schnee-
fälle, die erstmals am Anfang dieses Jahrhunderts Touristen ins
Upland, den westlichen Teil des heutigen Naturparks, kommen lassen.
Immerhin erreichen die höchsten Gipfel mit "Hegekopf"
und "Langenberg" hier 843 Meter über NN. Manch einer
sieht immer noch den "Kahlen Asten" bei Winterberg mit seinen
841 Metern als höchsten Berg des Sauerlandes an.Schlepplifte
erleichtern im Skifahrern den Aufstieg, inter- nationale Skisport-Wettbewerbe
haben Willingen weit über den Naturpark hinaus bekannt werden
lassen.
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Heute
bevorzugen viele gesundheitsbewusste Gäste den Skilanglauf
und das Skiwandern. Loipen werden maschinell gespurt und lassen
sowohl Anfänger als auch Professionelle zu ihrem Recht
kommen. Durch die Ausweisung eines Loipennetzes konnten zudem
Lebensräume wild lebender Tiere und selten gewordener
Pflanzen verschont werden. In der übrigen Jahreszeit
vom Frühling bis zum Herbst garantiert
der Naturpark den Besuchern ein mildes Reizklima von den Tallagen
der Diemel bei Marsberg (200 Meter über NN) bis zu den
Höhen der Berge des Sauerlandes, das im Naturpark Diemelsee
mit dem Upland seine Fortsetzung gen Osten gefunden hat.
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Weltcup-Springen
in Willingen (Upland) 1999
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Steine
und Gold |
Teil einer bevorzugten Erholungslandschaft, wie sie der Naturpark
Diemelsee zu Recht sein will, ist auch das, was sich unter der Erdoberfläche
verbirgt, sind die Zeugnisse der Geschichte, die in Bau- und Bodendenkmalen
an die Vergangenheit erinnern.
Das Naturparkgebiet gehört fast vollständig zum Nordostende
des Rechtsrheinischen Schiefergebirges. An seiner Ostflanke geht es
kleinflächig in das Waldecker Tafelland über. Die Landschafts-
teile zeigen starke morphologische Unterschiede, die durch den abweichenden
geologischen Aufbau und die unterschiedliche erdgeschichtliche Entwicklung
hervorgerufen wurden.
Die ältesten Gesteine sind die sogenannten "Wissenbacher
Schiefer", die wie der Eisenberg-Quarzit nach dem Eisenberg
am Diemelsee benannt zum Unteren Mitteldevon (Eifelstufe) gehören.
Einige der bedeutendsten Berge sind aus "Nensten-Quarzit"
des Oberen Mitteldevon (Givet-Stufe) auf- gebaut. Dazu gehören
Koppen (715 Meter), Dommel (738 Meter) und Ettelsberg (838 Meter).
Unterschiedlich ist die Mächtigkeit des Hauptgrünsteins,
an dessen Rand sich Roteisenstein bildete.
Der Abbau von Eisenerz begann wahrscheinlich schon in keltischer Zeit
und ist seit 1271 urkundlich belegt.
Das Profil im Kalkstein auf dem Martenberg nördlich von Adorf
bildet die Grundlage für die international gültige Gliederung
des Unteren Oberdevons (= Oberdevon I oder Adorf-Stufe). Bei der "Klippe"
unmittelbar an der Verbindungsstraße Adorf-Giershagen handelt
es sich um das wohl bedeutendste geologische Naturdenkmal im Naturpark.
Aus der Unterkarbonzeit stammen die an Schwarz- und Kieselschiefer
gebundenen Kupfervorkommen von Marsberg. Der Bergbau auf dieses Erz
geht sicher bis in das 11. Jahrhundert zurück und endet nach
dem zweiten Weltkrieg. Die Erzvorräte zählen heute noch
zu den großen Kupferlagerstätten Europas.
Einen herausragenden Punkt im Naturpark bildet sein südwestlicher
Eckpfeiler, der Eisenberg (562 Meter) westlich von Korbach. Er beherbergt
eine Goldlagerstätte von beträchtlichen Ausmaßen.
In Klüften und Ruscheln der kulmischen Gesteine, besonders der
Kiesel- kalke, sind hier Gold und andere wertvolle Erzmineralien durch
aufsteigende heiße Lösungen abgesetzt worden. Der Goldbergbau
kam im Dreißigjährigen Krieg zum Erliegen. Doch manche
Legende rankt sich um das Gold dieses Berges:
"In uralten Zeiten lebte auf der Königsburg auf dem Eisenberge
ein gewaltiger Herrscher, der so mächtig war, dass er über
Wind und Wetter gebot. Seine unermesslichen Goldschätze ruhten
im Innern des Berges und waren der Obhut seines treuesten Tieres,
eines goldenen Ziegenbocks, anvertraut. Als einst mächtige Feinde
in sein Reich eindrangen, zog er sich mit seinen Tieren zu seinen
Goldschätzen zurück. Die fremden Eroberer suchten vergebens,
die Schätze zu heben. Nur hier und da fanden sie ein wenig Gold,
welches der Ziegenbock von seinen Hörnern abstreifte, wenn er
zum Berggipfel emporstieg, um die Wetter zu wehren und sie ins Tal
der Diemel oder Eder abzulenken."
Geologische Untersuchungen in neuerer Zeit haben glücklicherweise
nicht dazu geführt, dieses Erzvorkommen abzubauen. Ein Abbau
hätte voraussichtlich zu einer völligen Veränderung
des Landschaftsbildes geführt.
Oberkarbonische Gesteine finden sich nur im Gebiet zwischen Marsberg
Madfeld Bleiwäsche.
Zechstein und Unterer Buntsandstein kommen im Bereich Marsberg-Giershagen
und auf der Korbacher Hochfläche vor. Diese Formationen bergen
riesige Trinkwasservorräte, aus denen nicht nur das gesamte Upland
versorgt wird.
Bedeutende Gesteinsaufschlüsse für Sammler finden sich in
Rhena (Unterkarbon III), im Eisenberg bei Korbach (Unterkarbon II
und III), zwischen Leitmar und Marsberg (Zechstein I) und nördlich
Adorf (Oberdevon).
Um den Erhalt von Baudenkmalen aus längst vergangenen Jahrhunderten
ist der Naturpark in besonderer Weise bemüht. So wurde die "Schwaleburg"
bei Schwalefeld von Bewuchs befreit. Ein Aussichtspodest verschafft
dem Besucher einen Gesamtüberblick über die mächtige
Befestigungsanlage aus der Zeit der Karolinger.
Eine weitere, kleinere Wallanlage entdeckt der aufmerksame Wanderer
unweit von Lengefeld, vor den Toren der Kreisstadt Korbach. Um exakte
wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, wurde im Jahre 1962 erstmals
mit Ausgrabungen am "Hünenkeller" begonnen, die im
Jahre 1974 im Auftrag des Vereins Naturpark Diemelsee fortgesetzt
wurden. Die Funde lassen auf eine Entstehung in der zweiten Hälfte
des 8. Jahrhunderts schließen.
Der waldeckische Geschichtsschreiber Heinrich Scipio berichtet 1838
erstmals über eine Höhle unter der Toreinfahrt: "Der
Eingang ist so niedrig, dass man nur mit großer Mühe kriechend
hineingelangen kann. Es hauseten nämlich an diesem Ort vor- mals
Hünen, riesenhafte, den Menschen feindliche Wesen."
Mit Hilfe des Naturparkträgers wieder ans Tageslicht geholt wurde
das gänzlich verschwundene Schloss der Waldecker Grafen auf dem
Eisenberg bei Korbach. Engagierten Hobby- Archäologen gelang
es, die Grund- mauern mit ihrem imposanten Burg- graben freizulegen
und weitgehend zu restaurieren. Massen von Keramik vom späten
13. bis zum frühen 18. Jahr- hundert und Gebrauchsgegenstände
wurden gefunden und mühsam zusammen- gefügt. Die schönsten
Stücke sind im Korbacher Heimatmuseum ausgestellt.
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Wälder und Wasser |
Die engen Beziehungen dieser beiden Landschaftselemente sind heute
nahezu jedermann bekannt. Bei Gründung des Naturparks machte
der Waldanteil an der Gesamtfläche etwa 46 Prozent aus. Er hat
sich zwischenzeitlich erhöht, bedingt durch den Zwang der Land-
wirtschaft, Betriebe aufzugeben und unrentable Flächen aus der
land- wirtschaftlichen Nutzung heraus- zunehmen.
Wirtschaftliche Zwänge waren es auch, die dazu führten,
in den einst reinen Buchenwaldgebieten die schnell- wüchsige
Fichte anzubauen. Dennoch erfreuen auch heute noch, besonders im Frühjahr
und Herbst, farben- prächtige Mischwälder das Auge des Wanderers.
Kristallklare Bäche schlängeln sich durch enge Wiesentäler,
die glück- licherweise von Aufforstungen freigehalten wurden.
Berg und Tal sowie der ständige Wechsel zwischen Wald und freier
Landschaft bestimmen weitgehend den hohen Erholungswert dieser beispielhaften
Kultur- landschaft. Die meisten Bäche fließen der Diemel
zu. Nur wenige im Süden des Naturparks münden über
die Orke in die Eder.
Relikte früherer Landschafts- und Bewirtschaftungsformen sind
die Hochheiden um Usseln und Willingen, die alljährlich im August
eine betörende Farbenpracht entfalten. Diese Vegetationsform
mit ihrer gefährdeten Begleitflora zu erhalten, ist dem Naturparkträger
ein ganz besonderes Anliegen.
Infolge der geologischen Verhältnisse ist der Naturpark arm an
stehenden Gewässern. Eine Ausnahme bildet der Diemelstausee,
dessen Ufer dank einer vorbildlichen Planung und mit Durchsetzungsvermögen
der politisch Verantwortlichen an jeder Stelle betreten werden kann.
Weiträumige Liegewiesen säumen das Wasser. Wesentlich kleinere
Seen und Teiche sind im Laufe der Jahre bei Bömighausen, Niederschleidern
und Lengefeld entstanden. Sie sind beliebte Ausflugsziele, um Wasser-
vögel zu beobachten oder zu angeln. Verstreut im Naturparkgebiet
wurden viele Tümpel angelegt, die gefähr- deten Amphibien
neue Lebensräume bieten sollen.
Für die gute Wasserqualität im Bereich des Naturparks spricht
der hohe Bestand an Wasseramseln, deren Brutplätze nahezu überall
zu finden sind. Noch bis in die fünfziger Jahre wurden im Diemelsee
Edelkrebse gewerbsmäßig gefangen. Forellen und Äschen
tummeln sich in den Bachläufen. Auf und um den Diemelsee haben
Graureiher und andere Wasser- vögel ihr Refugium. Im See leben
Plötzen, Brassen, Aal und Zander. Ortsfremd, aber beliebte Beute
der Petrijünger ist der Wels.
In den großen, zusammenhängenden Waldgebieten tummeln sich
Rothirsch und das scheue Muffelwild.
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Tourismus mit Augenmaß |
Im Naturpark haben sich zeit seines Bestehens die sozialen und wirt-
schaftlichen Strukturen weitgehend erhalten. Das Gebiet blieb glück-
licherweise von landschaftsfressenden Großprojekten wie Industrieanlagen,
Verkehrswegen und Feriensiedlungen verschont. Bäuerliche Familien-
betriebe betätigen sich bis heute als vorbildliche Pfleger der
Landschaft. Vielen hat der Tourismus geholfen, ihre wirtschaftliche
Existenz zu sichern.
Die Fremdenverkehrswirtschaft hat erkannt, dass die intakte, abwechslungsreiche
Landschaft ihr unersetzbares Kapital ist. Tourismus kann auf Dauer
nur im Einklang mit der Natur bestehen. Dieser Maxime wird auch 25
Jahre nach Gründung des Naturparks ein eher höherer Stellen-
wert beizumessen sein als im Gründungsjahr.
Es gibt gute Beispiele, wie ohne Identitätsverlust für Landschaft
und Bevölkerung die Attraktivität des Erholungsraumes gesteigert
werden kann.
Auf einem Jugendzeltplatz am Diemelsee fühlen sich junge Leute
in freier Natur ungezwungen wohl. Eislaufhalle und Lagunen-Erlebnisbad
in Willingen garantieren Urlaubs- freude auch bei schlechtem Wetter.
Im "Haus der Natur" sollen ökologische Zusammenhänge,
auf die Naturpark- landschaft bezogen, erklärt und der Besucher
angeregt werden, behutsam mit der Natur umzugehen. In den mittelalterlichen
Stadtkernen von Brilon, Korbach und Marsberg gibt es manch romantischen
Winkel zu entdecken. Besucherbergwerke in Willingen, Adorf und Marsberg
ermöglichen einen Ausflug unter Tage. Ein flächendeckendes
Netz gut markierter Wege lädt ein zu kurzen Spaziergängen
oder längeren Wanderungen. Es gibt viel zu ent- decken im Naturpark
Diemelsee, ob über oder unter der Erdoberfläche.
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